Keine Ahnung, was das jetzt wird, aber ich bin sauer. Auf meine SPD. Und deren Unvermögen, mit Ergebnissen umzugehen. Es kotzt mich an. 


Wer das schlechteste Ergebnis seit 1893 (!) holt, sollte sich wirklich Gedanken über sich, die Partei, deren Strukturen und Inhalte machen. Sigmar Gabriel war Mister Zickzack, aber mit einem hat er recht: Wenn wir jetzt nicht einen Stein auf dem anderen lassen, sind wir verloren. 


An 4 Bereichen möchte ich das festmachen


• Personen

• Strukturen

• Inhalte

• Organisation

Personen


Hat jemand Andrea Nahles, offenbar leicht angetrunken, auf der Bremer Abschlusskundgebung gesehen? Mit einer Stimme, die ich so von Aale-Anton auf‘m Hamburger Fischmarkt kenne, dazu wild rudernde Arme (Hat da jemand versucht, das Gleichgewicht zu halten?) – wenn das Dynamik erzeugt, frage ich mich, wohin das führen soll. 


Das ist nicht hemdsärmelig. Das ist peinlich. 

Und: Es ist kein Ausrutscher. Harter Stoff für uns: auf die Personen kommt es eben doch an, es sind mitnichten immer nur die gottverdammten Themen. Siehe Habeck/Baerbock: seriöses Auftreten, verbindlich, auch im Überschwang kein Abdriften in Pöbel- oder Kindersprache und kein wildes Rumrudern (oder Auftritte als Clown (!) in der Tagesschau). 


Könnte man sich mal merken. 


Strukturen 


Während viele SPD-Wahlkämpfer pausenlos durch Stadtteile touren, Plakate aufstellen oder reparieren und sich an Infostände stellen, wundert man sich nachher, warum die Grünen uns am Ende deklassiert haben. Weniger Stände, kaum Plakate – trotzdem gewonnen. Wie das? 


Vielleicht ist Wahlkampf doch nicht zeitlos – oder in der Zeit 1983 stehengeblieben. Vielleicht informiert man sich heute über Smartphone und nicht mehr über das Gespräch am Infostand. Ich möchte unseren Leuten ihr Engagement keinesfalls abstreiten – aber vielleicht hat sich seit den 80ern wirklich was geändert. Und Wahlkampf oder Parteiarbeit ist mehr als ein monatliches Treffen und Wahlkampfstände am Wochenende, wo wir Flyer verteilen.

Trotz keinem Infostand, keinem Flyer wusste ich, was die Grünen für Hamburg vor haben. 

Wir ignorieren das, fürchte ich. Es gibt keine Brücken zwischen digitaler und analoger Welt. Während ein YouTuber mal schnell eine nationale Debatte anzettelt, macht in der Regel „dieses Facebook“ bei uns der Enkel vom Karl-Heinz, denn „man muss ja auch modern sein“. Ansonsten hält man all das aber für Teufelszeug und schwört auf das „wahre Analoge“: das Gespräch mit Liselotte Meyer vorm Penny. Daß man mit einem humorvollen, witzigen Sharepic in einer halben Stunde möglicherweise das zweitausendfache an Menschen ansprechen kann (ja, 2000 Leute sind mehr als eine Liselotte Meyer), wird übersehen. 


Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird: Trump twittert auch samstags. Politik findet also nicht mehr nur 1x für drei Stunden bei der Ortsvereinssitzung pro Monat statt, sondern kontinuierlich. Ich möchte mich vielleicht mit meinen Leuten kurzfristig absprechen, Ideen nachts um 3 raushauen oder noch Unfertiges zum Thema machen. Ohne E-Mails, ohne Verteiler, einfach schnell per Messenger. 


Bieten wir diese Möglichkeiten? Kollaborativ könnte man Anträge und deren Formulierung komplett im digitalen Raum stattfinden lassen – und sich dann monatlich nur noch im Plenum (aller Mitglieder) treffen, um das vorher digital Besprochene zu verabschieden. Nachher eine Pressemitteilung – und auf einmal bekommt der Ortsverein mehr als einen Beschluss und drei vertagte Ideen durch. 


Könnte attraktiv auf Außenstehende wirken.

Modern – wenn man, ähnlich wie Facebook, immer mit seinem Ortsverein verbunden ist. Und eben seine Leute auch mal abends kurz erreichen kann. 


Vielleicht sollten wir daneben auch mal alle unsere Werbemittel überprüfen – und uns fragen, ob man Dinge, die im Dornröschenschlaf liegen, da weiterhin liegen müssen. 


Inhalte


Nachgerade putzig finde ich die mit zusehendem Verve geführten Debatten über links/rechts, Seeheimer/Linke, Arbeitnehmerrechte, Sozialismus oder der ewigen Frage, wo wir eigentlich stehen. 
Das interessiert keine Sau. Wer der „echte Sozi“ ist. 


Weiter entfernt kann diese Partei vom Lebensgefühl der Menschen nicht sein. Daß Andrea Nahles, auf einem LKW mit Trillerpfeifen Amazon in Grund und Boden pfeift, ist da nur eins: folgerichtig wie armselig. Ich bestelle nämlich gern bei Amazon. Und auch wenn Arbeitsbedingungen bei Ryanair nicht so bombig sind: Ja, ich fliege auch mit denen. Ob man am Ende eines Wahlkampfs Firmensitze mit SPD-Botschaften anstrahlen muss, das ist für mich – widdewitt – eher kindisch. Eine Mindestbesteuerung europäischer Unternehmen, dafür wäre ich – das fordert aber Volt. Bei der SPD hat man den Eindruck, es wird sich an antiamerikanischen Klischees abgearbeitet.

Reibung erzeugt ja auch Wärme. Themen wie Rente etc. sind natürlich wichtig, finden aber möglicherweise im Leben vieler Menschen nicht (oder nur am Rande) statt. 


Organisation 


Für mich maßgeblich ist da folgendes Statement über Annalena Baerbock: 
„Damit das Interview im linken Flügel keinen Aufschrei provozierte, telefonierte Baerbock vor Erscheinen mit Dutzenden einflussreichen Linken. Sie habe erklärt, dass man eben einen Preis zahlen müsse, berichten diese. Das Interview erschien, fünf Tage später wurde der Koalitionsvertrag unterzeichnet – und niemand meckerte öffentlich. Baerbock hatte etwas geschafft, was vorherigen Parteichefs nicht gelungen war.“

Warum kriegen wir das nicht hin?Sozialismus-Kevin schafft es dagegen, die halbe Partei mitten im Wahlkampf aufzuarbeiten und ein Gefühl von hysterischem Hühnerhaufen zu produzieren, indem er mal schnell „was Grundsätzliches“ dahinplappert. 


Zugegeben: Egal ob links oder rechts (innerhalb der Partei), bevor man mit Obigem oder einem „Hartz-IV-was-für-ein-geiler-Scheiß“ um die Ecke kommt, sollte man sich vielleicht vorab überlegen, ob das einige andere in der Partei stört. Und das mit nem Griff zum Telefon abklären. 


Nein, das ist keine Kühnert-Kritik, das ist schlicht die lapidare Feststellung was passiert, wenn man sich nicht abspricht: Chaos. Meinetwegen sehr lebendig. Geholfen hat es uns möglicherweise eher nicht. 

Hier geht es nicht mehr um‘s Erneuern. Das hier ist Neu Erfinden. Und, ganz ehrlich: ob das bis 2021 gelingt, wage ich zu bezweifeln. 

Die Zeit wird knapp. Und die Hütte brennt. Lichterloh.

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